Das Theater Hagen soll eine Gastspielbühne werden. Hierzu mein Kommentar, der zurzeit an die Presse unterwegs ist und hoffentlich bald abgedruckt wird.
Ich WILL keine Gastspielbühne in Hagen! Sie lesen richtig, ich will nicht. Seit mehr als 10 Jahren korrigiere ich die Sätze meiner
Tochter, die mit „Ich will…“ beginnen automatisch mit „Ich möchte bitte…“, aber
in diesem Fall muss ich eine Ausnahme machen.
Es gibt wenige Dinge in meinem Leben, die mich so erfreuen, begeistern, motivieren, anrühren und manchmal auch traurig machen, wie die Besuche im Theater Hagen. Sie sind mein monatliches Highlight, meine Droge, die vielleicht für uns Frauen nur noch mit Schuhe kaufen vergleichbar ist.
Seit fast zwanzig Jahren bin ich dort Zuschauer. Mein erstes Stück war „Räuber Hotzenplotz“. Nie im Leben hätte ich damals gedacht, dass es einmal Tradition sein wird, dass ich mit meiner Tochter jährlich das Weihnachtsstück dort anschauen werde. Auch jetzt noch, wo selbige 13 Jahre alt ist und für ein Märchen wie „Rumpelstilzchen“ eigentlich schon fast zu alt.
Während der Grundschulzeit meiner Tochter habe ich den
alljährlichen Ausflug nach Hagen mit der ganzen Schule mehrmals begleitet. Es
war immer ein Erlebnis, angefangen mit einer Horde Schulkinder die S-Bahn nach
Hagen zu stürmen bis hin zu einem zum Bersten vollen Theater nur mit
aufgeregten und plappernden Kindern.
Über ein Schnupperabo in der Spielzeit 92/93 kam ich dann zu einem regulären Abo ab der Spielzeit 93/94. Seither habe ich dieses Abo, also nun 16 Jahre, und ich WILL es auch die nächsten Jahre weiterführen. Vor ein paar Jahren hat dann meine Tochter, die auch schon immer mal vertretungsweise das Abo in Anspruch genommen hat, mich überzeugen können, dass man mit neun Jahren alt genug fürs Theater ist. Wir wechselten dann auf ein Sonntagnachmittag-Abo und nahmen gleich noch die Großmutter mit in unsere Frauenrunde auf.
Seit vier Spielzeiten gehen wir also zu drei Generationen ins Theater und es ist jedes Mal ein Genuss für uns. Jede von uns hat andere Erwartungen und Ansprüche und dennoch sind wir alle drei nach einer Vorstellung zufrieden und erfreut über den schönen Nachmittag. Natürlich ist es die Jüngste, die erkennt, dass der eine Schauspieler bei „West Side Story“ normalerweise bei RTL in einer Soap mitspielt - aber gerade das ist es, was das Theater so abwechslungsreich macht.
Das Theater Hagen hat es geschafft, ein Ballett auf die Bühne zu bringen, das überzeugt und begeistert. Und wenn das Ballettensemble, wie z. B. bei „West Side Story“ auch noch den Gesang mit präsentiert, dann ist das einfach eine grandiose Leistung. Nicht umsonst ist dieses Stück gnadenlos ausverkauft! Gerade dem Ballett ist es zu verdanken, dass auch junge Menschen ins Theater gezogen werden. Umso unverständlicher, dass dort als Erstes eingespart werden soll.
Es ist sicherlich bei der aktuellen wirtschaftlichen Lage nicht vermeidbar Einsparungen zu machen, aber ich kann nicht begreifen, warum gerade am Theater Hagen in dem Maße gekürzt werden soll, wie die Arnsberger Kommunalaufsicht es für nötig hält.
Das Theater ist mir wichtig und vor allem ist mir wichtig, dass ich dort ein festes Ensemble vorfinde. Ich möchte im Programm vorher lesen, welcher Schauspieler welche Rolle spielt und möchte mich darauf freuen. Ich möchte die Entwicklung der einzelnen Schauspieler weiter beobachten, die Vielseitigkeit ihres Könnens genießen dürfen und mich immer wieder neu überraschen lassen.
Hagen ist nicht umsonst zum zweitbesten Theater NRWs gewählt
worden. Ich wünsche mir, dass wir Bürger und Zuschauer des Theater Hagens es
schaffen, die Regierung und die Verantwortlichen davon zu überzeugen, dass
unser Theater erhalten bleibt.
Juni 2009